egon. ein kunst-stück

drei schiele-bilder stehen als körper auf der bühne: die tänzerin moa, mime van osen und der gassenjunge. sie sprechen eine bildsprache. sie sprechen an gegen ihren schöpfer und begehren ihn zugleich.

das stück hat einen rahmen, eine klangmauer: egon (schiele). egon ist gott. er ist der vater und macht das gesetz. doch gott stirbt. der erste weltkrieg nähert sich dem ende. egon hat die spanische grippe. gott ist immer da, man sieht ihn bloß nicht.
das stück hat einen leichenhaufen (den chor) und drei fleischkörper. moa, mime van osen und den gassenjungen. sie sind fleischgewordene zitate, sie sind zeichnungen. sie bilden zusammen den rahmen, den text. sie sind labile punkte, sie schaffen um sich eine klangmauer, sie werden zu einem gesamten organismus, da sie gott verehren, ihm opfer bringen, ihn lieben, von ihm vereinnahmt werden. sie werden ganz gott. doch dieser stirbt.

„egon“ ist ein ikonoklastisches werk, ein text über kunst, deren bedingungen und deren zerstörung. es ist auch ein stück österreichischer identität, das sich sukzessive selbst zersetzt.

 

 

 


Leseprobe (Libreka)

Erschienen im Passagen-Verlag

Performance:
Leopoldmuseum, Februar 2008